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Galerie IPP, Max-Planck-Institut für Plasmaphysik


Fünf vor Zwölf

Ob dieses Titels erwartet man beinahe apokalyptische künstlerische Vision vorzufinden.
Stattdessen kommt die Schöpfung von Dorota Albers mit Leichtfüßigkeit daher.
In munterer Kombination diverser Baumarktmaterialien und Objekten aus Porzellan bearbeitet sie Themenfelder, auf die der Titel der Ausstellung durchaus passt.
Es geht um genmanipuliertes Leben, die neuen Technologien und das Verhältnis von Mensch – Technik und Natur an sich.
In der Arbeit „Wonderful New World“ stellt sie unter Bezugnahme auf Hacksleys gleichnamiges Werk ein selbst erschaffenes „natürlich - künstliches“ Lebensmittel, die Auster A45 industriell her.
Aber das Objekt allein genügt der Künstlerin nicht. Die komplette pseudoindustrielle Produktionstraße für A45 findet den Weg in die Ausstellung.
Hier fällt, wie in anderen Arbeiten auch, die akribische Detailgenauigkeit gepaart mit einem besonderen Sinn für die Materialität ihrer Arbeiten auf.
Da ist z.B. der Pappkarton, der so tut, als wäre er aus Metall und sich damit seiner eigentlichen Funktionalität beraubt. Denn der Deckel eines Metall-Kartons ist beim besten Willen nicht zuzuklappen.
Die Künstlichkeit der Situation entlarvt sich selbst im Detail und das erzeugt Spannung.
Eine Ähnlichkeit zu real existierenden Lebensmittel und deren Produktionsbedingungen drängt sich trotz aller Künstlichkeit, oder gerade deshalb, vehement auf.
Mit der Installation „Abendmahl“ schließt sich der künstliche Kreislauf von „herstellen und verbrauchen“ eine quasi natürliche Nahrungskette und eine zeitgemäße Schöpfungeschichte zugleich.
Wie in dieser Arbeit, sind es oft Prozesse, die Dorota Albers inszeniert. Nicht nur das künstlerische Objekt ist sichtbar, sondern vielmehr der komplette Kontext. So kann sich aus unterschiedlichen Elementen eine Geschichte fügen, oder die Ausgangsmaterialien können scheinbar lebendig verschiedenen Entwicklungsstadien im Moment des Betrachtes durch Hautähnliche Pergamentstücke oder Folien, scheinen zu wachsen, sich zu entwickeln.
Am Anfang stehen die Materialien, sagt die Künstlerin, daraus entwickelt sich in Verbindung mit der Idee schrittweise die konkrete Form der Arbeit. Immer wieder fällt die Gleichwertigkeit dieser drei Elemente auf, Keines erhält den Vorrang.
Ausgangspunkt des jüngsten Prozesses ist eine Handvoll Restmaterial aus IPP, das die Künstlerin bei ihrem ersten Besuch hier mitgenommen hat. Die daraus entstandene Arbeit ist, als Installation in dieser Ausstellung, gewissermaßen heimgekehrt.
Gehen sie auf die Suche, spekulieren sie selbst, oder befragen sie Dorota Albers. Ich lade sie nun ein, auf Entdeckungstour durch eine Ausstellung, die der Künstlerin zur Folge keine Lösungen für die aufgeworfenen Probleme zu bieten versucht, wohl aber Anstoß geben möchte, ins Gespräch zu kommen.
Kunst ist bestenfalls der Katalysator der Auseinandersetzung mit der realen Welt, denn es ist nicht mehr viel Zeit; eben „Fünf vor Zwölf“.Katharina Jacobs

Zum Projekt Erneuerbare Energie (Kernfusion)

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    Vernissage in der Galerie IPP, Max-Planck-Institut für Plasmaphysik

© Dorota Albers